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«Kann man den Weltuntergang um zwei Wochen verschieben?»

Andrea, 38

Über die Zivilschutzanlage Sonnenberg


Geschichtlicher Hintergrund
1963 – mitten im Kalten Krieg und in der damit einhergehenden atomaren Bedrohung – wurde in der Schweiz ein Bundesgesetz beschlossen, das den Bau von Schutzräumen für die Bevölkerung verlangt. Vor diesem Hintergrund bestand in der Stadt Luzern Ende der 1960er-Jahre ein Mangel an Schutzplätzen für mehrere Tausend Personen. Zur gleichen Zeit plante der Bund den Ausbau der Nationalstrasse N2 (heute: A2) – samt Bau eines Tunnels durch den Sonnenberg in Luzern. 
Das Schutzplatzdefizit und der geplante Tunnelbau führten zur Idee, die Tunnelröhren so zu konzipieren, dass sich diese im Ernstfall in einen Grossschutzraum umfunktionieren lassen würden. Das Vorhaben wurde 1969 von den Stimmberechtigten der Stadt Luzern angenommen (Ja-Anteil: 53.8 %). 1976, nach einer Bauzeit von sechs Jahren, konnten der Autobahntunnel und die Zivilschutzanlage gleichzeitig eröffnet werden.

Autobahntunnel als Schutzraum
Im Ernstfall wären auf der Fahrbahn der beiden Sonnenbergtunnel für 20’000 Menschen Schlafabteile mit 4-stöckigen Liegebetten und Toilettenanlagen aufgestellt worden. Das Material dafür – insgesamt über 450 t – wurde in einem Gebäude über den Tunneln eingelagert. Vier Betonbogentore (je 1.5 m dick, 350 t schwer) sollten die Tunnelröhren hermetisch abriegeln. Die Tore hätten einer 1-Megatonnen-Atombombe standgehalten, sofern diese nicht näher als in 1 km Abstand explodiert wäre (1 Megatonne ≈ 70x Sprengkraft Hiroshima-Bombe). Die Menschen hätten sich vor den Tunneleinfahrten besammelt und wären über Torumgehungsschleusen in die Tunnel gelangt.

Kaverne und Lüftungszentrale
Über der Tunnelmitte entstand ein 7-stöckiges Gebäude (20 m hoch, 37 m lang, 16 m breit) – das logistische und technische Zentrum der Anlage, bestehend aus der sogenannten Zivilschutz-Kaverne und der Lüftungszentrale Mitte («LZ-Mitte»). Die Kaverne verfügte u.a. über: 

    • einen Kommandoposten mit eigenem Radiostudio,  
    • ein 3-stöckiges Notspital mit zwei Operationräumen und über 300 Liegebetten, 
    • einen Rechts- und Sicherheitsdienst mit Arrestzellen sowie 
    • eine Küche. 

In der Lüftungszentrale sind nach wie vor die technischen Einrichtungen untergebracht, beispielsweise eine Notstromanlage, eine Gasfilteranlage sowie Tankräume für Diesel, Kühl- und Trinkwasser.

Zivilschutzanlage Sonnenberg heute
2002 beschloss der Grosse Stadtrat von Luzern, die Zivilschutzanlage rückzubauen. Die 20’000 Schutzplätze in den Autobahnröhren sollten aufgehoben und die 7-stöckige Zivilschutz-Kaverne in einen Schutzraum für 2’000 Menschen umfunktioniert werden. Die entsprechenden Redimensionierungsarbeiten erfolgten zwischen 2006 und 2008. Seither erfüllen die beiden Röhren des Sonnenbergtunnels keine Doppelfunktion mehr, sondern sie dienen ausschliesslich dem Strassenverkehr.

    • Bauherrschaft: Einwohnergemeinde Stadt Luzern
    • Projektierung: 
      Ingenieurbureau Heierli, Zürich
      Motor-Columbus, Baden
      Schindler Haerter, Zürich
    • Bauleitung: Motor-Columbus, Baden
    • Bauzeit: 1970-1976
    • Eröffnung: 26. Oktober 1976
    • Baukosten: ca. 40 Millionen Franken
    • Betriebszeit: 1976-2006
    • Rückbau/Redimensionierung: 2006-2008


Bauliche Anlagen

    • Schutzgrad der Zivilschutzanlage: 9 atü (bar)
    • Tunnelröhren: 2x 1.2 km geschützter Bereich für 20’000 Personen
    • Abschlusstore:
      4 Betonbogentore, 1.5 m dick, 350 t schwer
      2 Umgehungsschleusen als Haupteingänge
    • Zugangsstollen Sälihalde: Diensteingang zur Kaverne und zur Lüftungszentrale «LZ-Mitte»
    • Kaverne und Lüftungszentrale («LZ-Mitte»): Höhe 19.8 m, Länge 36.8 m, Breite 16 m
      Kaverne: 7 Etagen; davon 3 Etagen für das Notspital mit 2 Operationsräumen und 336 Liegestellen
      LZ-Mitte: u.a. Tankräume (Diesel, Kühl- und Trinkwasser), Notstromanlage, Gasfilteranlage
    • Lüftungsschacht (bei Strassentunnelbetrieb: Abluftkanal; im Zivilschutzfall: Frischluftansaugung) und Kaminschacht für die Verbrennungsgase der Diesel-Notstromgruppen


Technische Einrichtungen

    • Lüftung
      Frischluft: 8 m³/h pro Person
      Bei vergifteter Aussenluft: 1.5-3 m³/h pro Person
    • Trinkwasser
      Städtisches Leitungsnetz, Grundwasserfassung, notfalls Reusswasseraufbereitung und Wassertanks; 4 l pro Person und Tag (2 l Trinkwasser, 2 l für Hygiene)
    • Notstrom: 3 Dieselgeneratorgruppen zu 1’725 PS (1’240 kW), davon eine als Reserve
    • EMP-Schutz (Schutz gegen die Auswirkungen des elektromagnetischen Impulses bei Nuklearexplosionen)
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    Vogelperspektive

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    Leben im Tunnel

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    Übung Ameise

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    Zugangsstollen Sälihalde

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    Luftfilter

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    Plenarsaal

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    Rechts- und Sicherheitsdienst mit Arrestzellen

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    Ortskommandoposten: Information und Tonregie

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    Telefonzentrale

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    Notspital: Operationssaal

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    Notspital: Lift

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    Eingelagerte Tunnelinfrastruktur

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    Eingelagerte Tunnelinfrastruktur

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    Eingelagerte Tunnelinfrastruktur

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    Blick in Weströhre (südwärts)

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    Blick in Weströhre (nordwärts)

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    Küche

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    Waschküche

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    Wasserversorgung


2022


2020


2019

    • Phoenix Television: Underground Worlds (auch: Underground Marvels) – Switzerland (Staffel 1, Folge 3) (09.10.2019)
    • SRF, «Mini Schwiiz, dini Schwiiz»: Das Bruchquartier (21.01.2019)


2018

Berichterstattung zur Ausstellung im Rahmen des Fumetto Comic-Festivals:


2017

Berichterstattung im Zusammenhang mit dem neuen Buch von Jost auf der Maur «Die Schweiz unter Tag»:


2016 (Jubiläumsjahr)

Berichterstattung zur neu lancierten Impro-Theater-Tour:

Berichterstattung zu den Konzerten von «molto cantabile» in der Zivilschutzanlage:


2015


2013

Berichterstattung zur neu lancierten Segway-Tour:


2011


2007


10.-12. Juni 2022
latenz ensemble: (ver)graben
Multimediale Konzertreihe im Rahmen des Kulturprojekts «Innereien» der Albert Koechlin Stiftung


14.-22. April 2018
Shelter – von Krisen gezeichnet
Satelliten-Ausstellung im Rahmen des Fumetto Comic-Festivals Luzern

Medienberichte:


10. Mai 2017
Buchvernissage
Jost Auf der Maur: Die Schweiz unter Tag. Eine Entdeckungsreise. Echtzeit Verlag, Zürich 2017.

Medienberichte:


2.-3. Dezember 2016
Kolloquium und Buchvernissage
PH Luzern, Institut Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen: Kolloquium «International Teaching Analyses of the Cold War», anschliessend Buchvernissage
Markus Furrer & Peter Gautschi: Remembering and Recounting the Cold War – Commonly Shared History? Wochenschau Verlag, Frankfurt am Main 2017.


22.-24. und 29.-30. April 2016
molto cantabile: überleben
Installative Performance im Rahmen des Sehnsuchtsprojekts der Albert Koechlin Stiftung > Video

Medienberichte:


3. März 2015
11 Jahre Loge: im Berg
Loge – die Luzerner Literaturbühne
Mit Arno Camenisch, Suzanne Zahnd, Rolf Hermann, Pablo Haller
Musik: Alphornecho


21. November 2013
Buchvernissage
Thomas Seger: Zivilschutz in der Stadt Luzern. Stadtarchiv Luzern, Luzern 2013.


9. November 2009
50 Jahre Kantonale Denkmalpflege Luzern
Nachtführung