Zivilschutzanlage

-> Hier finden Sie den Eingang zur Anlage: Lageplan (PDF)
-> Hier geht’s zum Foto-Rundgang durch die Anlage: Fotorundgang Anlage

Zur Geschichte der Anlage:
Zeitzeuge des Kalten Krieges, der Atomangst und der Vorsorge

Die Baukosten für die einst grösste Zivilschutzanlage der Welt beliefen sich auf stolze 38,6 Millionen Franken. Die Anlage liegt mitten in der Stadt Luzern, im Sonnenberg. Der Eingang zur Kaverne, kaum wahrnehmbar, befindet auf der Grünfläche des Kinderspielplatzes Sälihalde.

Im Ernstfall hätte der Riesenbunker im Sonnenberg rund 20’000 Personen Schutz geboten. Über die heutigen Tunneleinfahrten der Autobahn A2 wäre die Menschenmasse in die beiden Röhren geschleust worden. Gut zwei Wochen im Voraus hätte der Zivilschutz (ZSOpilatus) die Liegebetten- und Toilettenanlagen und die Aufenthaltsräume eingerichtet. 465 Tonnen Einrichtungsteile waren dafür vorgesehen.

Die siebenstöckige Kaverne über den Autobahnröhren hätte dem Militär als Kommandoposten gedient. Der Nachrichtendienst hatte hier unter anderem ein eigenes Radiostudio und Alarmsystem. Auf drei Stockwerken war Platz für das Notspital. 336 Sanitätsliegestellen und zwei Operationssäle waren hier vorgesehen.

Das eigentliche Kernstück der Anlage lag in der Lüftungszentrale-Mitte. Eine ausgeklügelte Technik sollte hier unter der Erde das Überleben eines Atomkrieges ermöglichen: Drei Dieselgeneratoren zu je 1725 PS (1240 KW), eine Gasfilteranlage mit 110 Filtern für 8 m3/h und Person Frischluft, eine raffinierte Frischwasserzufuhr, welche je nach Situation verschiedene Fassungen aktiviert hätte und sogar ein Bombentrichter gehörten zur Ausstattung. Ein massiver EMP-Schutz (elektromagnetische Schirmung) sollte alle betriebswichtigen elektrischen Installationen vor Strahlungen schützen.

Die vier 1,5 Meter dicken und 350’000 Kilo schweren Tore zur Schliessung der Autobahntunnels an dessen Eingängen waren konzipiert für den Luftstoss einer 1-Megatonne-Atombombe in einem Abstand von nur einem Kilometer vom Tunnelportal.

Anlageplan

Ein Blick in die Kaverne
Bitte auf das Bild klicken um den Querschnittplan mit der Führungsroute zu vergrössern.
querschnitt

Auf dem Rundgang erhält die Gruppe auf 15 Stationen Einblick in die Umsetzung des nationalen Zivilschutzkonzeptes von 1971.
Querschnittsplan mit Legende zum Herunterladen (PDF)

Das Wichtigste in Kürze
Bauherrschaft:  Einwohnergemeinde der Stadt Luzern
Projektleitung:  Motor Columbus, Ingenieurunternehmung AG, Baden
Projektverfasser Zivilschutzbauten: Ingenieursbüro Dr. Heierli, Zürich
Technische Einrichtungen: Ing.-Büro Schindler Haerter AG, Zürich
Bauingenieur: Motor Columbus, Baden und Dr. Heierli, Zürich
Bauzeit:  1970-1976
Eröffnung:  26. Oktober 1976  Betriebszeit:  1976 – 2002  Rückbau:  2006 – 2008  Baukosten:  rund 40 Millionen Franken
Raumprogramm:
Kaverne:  Höhe 18,6 m, Breite 16 m, Länge 36,8 m (7 Etagen) davon 3 Etagen für das Notspital mit 2 Operationsräumen und 336 Sanitätsliegestellen
Tunnelröhren:  geschützter Bereich: 2-mal 1,2 km für den Aufenthalt von 20’000 Pers.  Profil der Röhren:  Kreis mit Innendurchmesser 9,66 m
Gefälle Nord-Süd:  2,69 %
Schutzgrad:  9 atü
Frischluft:  8 m3/h pro Pers., bei vergifteter Aussenluft : 1,5-3 m3/h pro Pers. Trinkwasser:  Städtisches Leitungsnetz, Grundwasserfassung, notfalls Reusswasseraufbereitung und Wassertanks: 4l Wasser pro Person und Tag (2l Trinkwasser, 2l für Hygiene)
Stromversorgung:  Dieselöltankanlage, drei 12-Zylinder-Grossdieselmotoren, zwei Stromgeneratoren (Eigenversorgung im Kriegsfall garantiert)
Aufgabe der Autobahnröhren und der Kaverne:
1976-2006:  Doppelfunktion der Röhren:
-> Friedenszeit: Autobahntunnel, Strecke Milano-Hamburg
-> Ernstfall: Grossschutzraum für 20’000 Personen
Doppelfunktion der Kaverne:
-> Friedenszeit: Lagerraum für Tunnelmöbilierung
-> Ernstfall: Kommandoposten samt Radiostudio, Versammlungsraum,
Notspital mit 2 OPs und 328 Patientenbetten Küche und Waschküche,
Rechtsdienst mit Arrestzellen, Post, Materiallager, Werkstatt u.v.m.
ab 2008: Röhren und Kaverne erhalten je einen eigenen Aufgabenbereich
-> Röhren: nur noch für den Verkehr vorgesehen
-> Kaverne: Zivilschutzkaverne für 2’000 Personen